Sonntag, 10. Mai 2009

Viva Mexico








Heute waren wir am Zocalo. Das ist der Hauptplatz Mexikos, was er auch wörtlich übersetzt bedeutet. Allerdings ist er nicht nur Marktplatz, sondern vor allem politisches Zentrum sowohl von Ciudad de Mexico, als auch vom ganzen Land. Allein schon, dass er das Zentrum der ganzen Stadt ist, ist insofern bemerkenswert, als dass dies bei keiner anderen Megastadt vorkommt. Aber er stellt nicht nur das Zentrum der 20 Millionen Einwohnerstadt dar, sondern ist sinnstiftend für die nationalen Identität des ganzen Landes. Insofern ist das sehr gut mit Paris zu vergleichen. Bei unserem föderalen System wäre das kulturelle Zentrum höchstens Bamberg ;-)), auch wenn es noch lange nicht die Bedeutung dieser Haupstädte erlangt. Angefangen mit dem Palacio Nacional ("Bundeskanzleramt" ;-)))über die Catedral Metropolitana de la Asunción de María de la Ciudad de México (welche die größte und älteste Kathedrale des amerikanischen Kontinents darstellt) und den Palacio de las Bellas Artes (Oper und Theater) stehen hier äußerst wichtige Gebäude. Architektonisch sind diese auch sehr interessant, da sie auf eine wesentliche Eigenschaft Mexicos, seiner Geschichte und seines Nationalgefühls hinweisen. Die grobe Struktur ist der spanische Barock (gefällt mir persönlich nicht) und (im Falle des Palacio de Bellas Artes) Neoklassizismus. In dieses Fundament sind aber viele aztekische Elemente eingesträut. Im Gegensatz zu den USA spielt die indianische Kultur im öffentlichen Leben immer noch eine Rolle (Das Wappen Mexikos stellt z.B. den Gründungsmythos der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlan dar). Die Beziehung der Mexikaner (reine Abkommen der Spanier bzw. Mestizen) zu den ursprünglichen Indios ist nicht unproblematisch, was sich auch in der noch immer präsenten Zapatista-Bewegung wiederspiegelt. Auch ein Erlebnis aus dem Biologieunterricht ist hier von großem Beispiel. Als wir zur Blutgruppenverteilung in der Bevölkerung kamen, sagte die Lehrerin zu dem Umstand, dass sich die Häufigkeiten zwischen Europa und Mexico unterscheidet: "Es tut mir leid, aber es ist nicht nur der spanische, sondern auch der indianische Einfluss." Octavio Paz verarbeitet das in seinem Werk "Labyrinth der Einsamkeit". Für Paz sind die Mexikaner sowohl Spanier wie auch Indianer, wenn sie auch weder von den einen noch von den anderen abstammen wollen. Mit der Ablehnung ihrer Vergangenheit verneinen die Mexikaner sich selbst: "Sie werden zu Söhnen des Nichts und beginnen in sich selbst." Aber noch ein weiterer Umstand im mexikanischen Nationalgefühl ist problematisch. Einerseits ist man eine eigene Nation und älter als die USA, andererseits ist man wirtschaftlich von ihnen abhängig und fühlt sich oft genug (zu Recht) arrogant behandelt. Es wird ein bißchen in diesem Spruch deutlich: "Pobre Mexico; Lejos de dios y cerca de los Estados Unidos." (Armes Mexiko; Fern von Gott und nahe an den USA). Trotz allem gibt es ein sehr viel stärkeres Nationalgefühl, als in Deutschland. Auch ein "gesunder" Militarismus ist vorhanden. Abgesehen vom Zimmermann-Telegramm und einigen Scharmützeln im Pazifikkrieg auf Seiten der Alliierten war Mexico niemals in die 2 Weltkriege verwickelt gewesen, was natürlich den Patriotismus positiv beeinflusst.

Nun noch etwas zur Haltung gegenüber Deutschland. Allzuviel weiß man nicht über das Land, allerdings spielt natürlich Luther auch hier eine Rolle, im klassischen Radio kann man Beethoven hören (in der Nähe des Palacio de Bellas Artes steht sogar eine Statue von ihm; s.o. bei den Bildern) und viele Schulen sind nach Alejandro de Humboldt bennant. Man denkt, dass wir sehr fleißig, seriös und ernst wären, aber das Leben nicht genießen könnten. Natürlich sollte man nicht verallgemeinern, aber im Vergleich zu den Mexikanern stimmt das auch ;-)). Wir werden auch zum Glück nicht nur auf Nationalsozialisten reduziert, auch wenn ich mal gefragt wurde, ob ich Türken hasse.

2 Kommentare:

  1. Inwiefern Militarismus gesund ist oder nicht, ist Definitionssache, glaube ich. Hier in Russland geht er mir zu weit. Aber vielleicht bin ich auch einfach nur Pazifist ... Egal, aber ich finde es sehr gut, dass man Patriotismus und Militarismus in Deutschland nicht in diesem Maße wie in einigen anderen Ländern propagiert. Ich glaube, wir haben es nicht nötig, uns auf sowas zu berufen, es klingt doch viel besser, viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt zu sein?! Liebe Grüße, viel Spaß! Rico.

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  2. das mit gesunder Militarismus sollte eigentlich "gesunder" Militarismus und genau das habe ich auch jetzt geändert

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