Wir haben jetzt 21:30 und in 9 1/2 Stunden geht mein Flug zurück nach Deutschland. Deswegen will ich noch ein paar letzte Wort an meine werte Bloggemeinde richten.
In Deutschland existiert ja das allgemeine Vorurteil über die Mittelmeer und lateinamerikanischen Länder, dass die Leute mehr siesta... (Wörter auf italienisch, portugiesisch... einfügen) als Arbeit machen. "Die Deutschen leben um zu arbeiten, die Spanier... arbeiten um zu leben". Da steckt viel Wahrheit, aber auch viel Falsches dahinter. An meinem ersten Tag in der Schule war der erste "Kulturschock", dass ich allen Mädchen, die ich vorher ja noch nicht mal kannte, Küsschen geben musste. Aber gut, so was überlebt man ;-)). Aufgenommen wurde ich sehr gut, da die Leute hier alle total nett sind. Man wird dauernd gefragt, como estas (wie geht es dir) und zu fiestas eingeladen. Außerdem lacht man mehr. Wenn ich in Deutschland so behandelt worden wäre, wären das meiner besten Freunde gewesen. Zumindest hätten wir uns schon lange gekannt. Aber bei Leuten, die sich noch nicht kennen, wäre man lange nicht so direkt gewesen. Allerdings bezweifle ich stark, dass sich auch nur die Hälfte der Leute, die ich dort gekannt habe, sich an mich erinnern werden. Auch die Frage como estas war, zumindest in den meisten Fällen, gar nicht als Frage gemeint, sondern eine Begrüßungsfloskel. Ich habe einfach mal, um die Reaktion zu testen "malisimo" (sehr schlecht) gesagt, was die betreffende Person ziemlich überrumpelt/überrascht hat.
In der Schule war der Unterricht für mich ziemlich einfach. Im Prinzip war es am Ende so, dass ich den Unterricht in Mathe, Physik, Chemie, Biologie und Geschichte geben durfte und mir meine Klasse am Ende sagte, dass ich besser war, als die Lehrerin. Was irgendwie auffällt, ist, dass die Konsequenz fehlt. Wenn eine Arbeit nicht fertiggestellt wird, wird selten eine 5 (entspricht ungefähr der 6) gegeben. Obwohl das die einzig realistische Vorbereitung auf das spätere Leben wäre. "Mach es, oder trage die Verantwortung"
Nur bei Dingen, wo es unbedingt nötig ist wird geplant, so wurden meine Fragen nach dem Beginn und Ende eines Termins immer mit Verwunderung und Ekis (X, für Geheimnis, wird sich offenbaren...) beantwortet.
Im Allgemeinen kann man sagen, dass das was ich gerade gesagt habe Schwachsinn ist, da man so was nicht verallgemeinern kann. Es ist nur der Durchschnitt. Es gibt hier Leute ohne Humor, genauso wie es bei uns Freaks gibt, die 5 min am Tag nicht lachen. Aber im Großen und Ganzen stimmt zumindest die Tendenz.
Wenn man die Chance hat, sollte man auf jeden Fall einmal nach Mexiko gegangen sein. Die Leute hier sind nicht so verschlossen, was sie sympathischer macht. Dafür fehlte mir manchmal die Ernsthaftigkeit in den Dingen, wo man sie braucht.


